Samstag, Juli 29, 2006

Mein Japan!

Das also ist das Ende. Oder zumindest vorerst mal das Ende meines Blogs.
Da ich von Anfang an nicht im Geringsten wusste, wie ich meine Suche nach Japan konkret gestalten könnte, hab ich einfach mal überall so ein bisschen reingeschnuppert, hab mal über das eine, mal über das andere geschrieben.
Einen roten Faden hab ich dabei nicht gefunden…
Auch wollte ich vermeiden Tatsachen zu wiederholen und einfach nur niederzuschreiben.
Also habe ich mich umgeschaut – hauptsächlich im Internet – habe mir einige Aspekte des Gefundenen heraus gefischt und meine Gedanken darum gesponnen.
Es mag nicht immer richtig sein, was ich geschrieben habe, aber es ist das was ich aus all der Information gebaut habe. Mein Phantasma Japan.
Zwischenzeitlich habe ich auch versucht auf Murakami einzugehen, bei ihm Japan zu finden, aber das habe ich schnell aufgegeben, da ich Murakami irgendwie sehr unjapanisch finde und in den Sitzungen eigentlich nur über „Kafka am Strand“ eingehend gesprochen wurde, ich habe allerdings nur „Mr. Aufziehvogel“ und „Wilde Schafsjagd“ gelesen…

Wenn vor dem Kurs mein Bild von Japan durch Touristen in Baden-Baden geprägt war, so hat sich dieses Bild dahingehend geändert, dass dieser Tourist nicht einfach wieder im Nichts verschwindet, wenn er abreist, sondern dass er sich auf den Weg zu einer bunt gefleckten Insel macht.
Eine Insel der verschiedensten Phänomene, die alle bunt gemixt durcheinander miteinander leben. Es sind die Flecken, die ich mir selbst durch meinen Blog erschlossen habe. Von Tee über Waldgeister bis hin zu Aussteigern und Weirdos, die ihr Glück in der Flucht suchen.

Ich habe also nicht das eine „mein Japan“ gefunden, es ist vielmehr eine Ahnung, die sich nicht greifen lässt und auch niemals den Anspruch auf Wahrheit erfüllt.
Es ist auch nicht so, dass ich unbedingt nach Japan reisen möchte um mir ein „richtiges“ Bild machen zu können. Ich kann sehr gut damit leben, wie ich Japan finde.
Ich weiß jetzt ein bisschen mehr über Japan und find die Japaner noch ein bisschen komischer. Wobei ich feststellen musste, dass sie eben gar nicht so sehr von uns Europäern unterscheiden, wie alle (und die Japaner selbst wahrscheinlich auch) immer denken. Wir haben alle die gleichen Macken, Bedürfnisse und meinetwegen auch Vorlieben, wir leben sie nur auf unterschiedliche Art und Weise aus.

Ich finde es gut und richtig, dass ich durch den Kurs quasi gezwungen war, mich mit Japan auseinander zu setzen. Es war nicht immer einfach und ich habe oft genug geschimpft als gäbe es kein Morgen mehr (sei es über die Frage, worüber ich denn schreiben könnte oder etwa über blogger.com, weil ich einfach keine Bilder mehr reinsetzen konnte…) und ich bin auch echt oft in immensen Zeitdruck geraten, bin eigentlich sogar noch mitten drin. Aber rückblickend hat es Spaß gemacht und war total interessant zu recherchieren und zu schreiben.

Würde ein Cyberfictions 3.0 angeboten, ich wäre wieder dabei. Allerdings muss es ja nicht wieder von Japan handeln…

Donnerstag, Juli 27, 2006

Robin Hood in Japan

Wenn wir "Robin Hood" hören, denken wir an den Rächer der Witwen und Waisen, an einen edlen jungen Mann, der den reichen klaut um den Armen zu geben.
Ein Entrechteter, der in den Wäldern von Sherwood haust, Gleichgesinnte um sich sammelt, vom Rest der Gesellschaft (bzw. vom Adel) jedoch als Wertlos betrachtet wird.

Die Yakuza, von der westlichen Presse fälschlicherweise als Japans Mafia bezeichnet, sind auch die Wertlosen ihrer Gesellschaft.
Das Wort Yakuza sagt es schon: es bezeichnet eine Zahlenfolge in einem Kartenspiel, welches Black Jack gar nicht unähnlich ist. Mit Yakuza (mit einem Wert von 20) hat man verloren - das Blatt ist wertlos.
Die Mitglieder der Yakuza, die sich in verschiedene Gruppen, genannt "kumi", einteilen, vertreten ihr Dasein in der Gesellschaft als unangesehene Randgruppe voller Stolz.
Ehemals zeigten sie es auch durch sehr große Tätowierungen, doch seit die Yakuza verboten wurde (von der Polizei, die natürlich von den Samurai abstammt), will niemand mehr auffallen.

Die Yakuza haben ihren Ursprung in der Edo-Zeit, die etwa von 1600 bis Ende des 19. Jhdts. dauerte und nach der damaligen Hauptstadt Edo benannt war. Hier setzte sich die Yakuza eben vornehmlich aus Menschen weniger hoher Geburt, meist Bauern und Handwerker.
Die Yakuza nahmen jeden auf, der auf irgendeine Art und Weise nicht zum Rest der Gesellschaft gehörte. Sie boten ein Zuhause, eine Familie und das Gefühl der Zugehörigkeit.
Also gilt auch hier wieder der Aspekt der Flucht seines gewöhnlichen Lebens, um Annerkennung unter Gleichgesinnten zu erlangen.

Doch auch wenn sich heftigst gegen den Vergleich mit der Mafia, wie man sie vor allem aus Italien kennt, gewehrt wird, gewisse Ähnlichkeiten lassen sich einfach nicht leugnen.
So gibt es auch ben den Yakuza einen "Paten", er nennt sich hier jedoch "Oyabun". Und auch hier ist Loyalität das höchste Gut, sie geht sogar soweit, dass man sich selbst verstümmelt, hat man einen Fehler begangen. So kann man seine Ehre wieder herstellen (auch ganz ähnlich wie bei den Samurai, nur dass diese halt gleich sterben...).
Noch eine Paralelle zeigt sich im Wirkungskreis. Die Yakuza hat ihre Finger überall drin, vor allem in den höchsten Kreisen von Wirtschaft und Finanz. Auch den "einfachen und traditionellen" Mafiaaktivitäten entziehen sie sich nicht, sie verkaufen genauso Frauen, Drogen und Diebesgut, wie andere Untergrundorganisationen es tun.

Also sind die Yakuza dann doch nicht so ganz speziell im Vergleich zu anderen Mafiaorganisationen, wenn man mal davon absieht, dass Mafia bzw. Yakuza per se schon etwas sehr Spezielles ist...

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Yakuza

http://mitglied.lycos.de/YakuzaNet/Yakuza/index.htm

Mittwoch, Juli 26, 2006

Alle Wege führen...

...überhaupt wohin?

In meinem letzten Post schrieb ich über die Hikikomori, eine sehr extreme Art Flucht aus dem Alltag.
Eine weitere Art und Weise junger Japaner ihrem every-day-life zu entfliehen, ist der Lolita-Kult bzw. der Gothic-Lolta-Kult. Während Hikikomori sich in keinster Weise um Geschlecht und Alter kümmert, ist der Lolita-Kult nur unter jungen Japanerinnen zu finden.
Der Ursprung des Kultes ist in der Musik zu suchen.
Genauer gesagt: Visual Kei oder Visual Rock, japanischer Heavy Metal mit Gothic-Einflüssen, die allerdings mit europäischem oder amerikanischem Goth nicht zu vergleichen sind.
Und das Wort "Visual" sagt es schon: es geht auch um Äußerlichkeiten, um das optische Auftreten.
Junge Japanerinnen, die dieser Musik zugeneigt sind, kleiden sich wie Lolitas, also wie süße kleine Mädchen, die keiner Fliege was zu Leide tun können, allerdings mit einem Touch sexy Verruchtheit.
Und genau das ist auch der Zweck der "Verkleidung". Sie wollen zugleich sexuell anziehend und unschuldig wirken.
Sie wollen auch ihre Idolen gleichen oder sie kopieren, um sich mit ihnen identifizieren zu können.
Ein anderer Zweck ist - wie immer bei derlei Dingen - der Zugehörigkeits- und Wiedererkennungswert.

Mit Flucht aus dem Alltag hat das dahingehend zu tun, weil diese Mädchen sich nicht immer so kleiden. Nur wenn sie ihresgleichen treffen und auf Konzerte gehen.
Sie verkleiden sich und können so sein, wie sie es wollen, nicht so wie ihre Eltern, Lehrer und der Rest der Gesellschaft sie gerne hätten.
Auch der Idolcharakter des Kultes ist meines Erachtens Zeichen dafür, dass diese Mädchen fliehen. Sie suchen ihre Vorbilder in unerreichbaren Sphären, und verneinen Greifbares als Vorbildfunktion. Vielleicht deshalb, weil sie Angst vor dem Scheitern haben, weil sie die Rockstars in Wissen anhimmeln, dass sie so niemals sein werden, aber der Traum ist real genug. Bei Vorbildern aus der realen Umgebung gibt es auch reales Scheitern mit dem Hintergedanken es hätte doch auch klappen können...

In Japan ist es schon lange "Tradition" sich hinter Mode und Verkleidung zu verstecken, das ganze nennt sich "Costume Play" oder kurz "Cosplay".
"Gothic Lolita" ist nur einer von vielen Ästen, die aus dieser Wurzel gewachsen sind.
Der Lolita-Kult mag eventuelle auch darin begründet liegen, dass es in Japan schon immer etwas seltsam anmutende Vorlieben und Fetische gibt. So zum Beispiel stehen ältere Männer sehr auf junge Mädchen (wobei das nicht nur in Japan zu beobachten ist), dies auszureizen, so zu provozieren, dient den Mächen dazu, sich mächtig fühlen zu können.
Sie fühlen sich besonders, irgendwie ganz speziell, endlich mal anders als die anderen. Sie stechen aus der grauen Masse heraus und erregen Aufsehen.
Dass sie sich dafür wie kleine Mädchen verkleiden, verstärkt nur den Eindruck, dass sie einfach nicht erwachsen werden wollen und sich auch genau so verhalten.

Zumal die japanische Jugend und der japanische Markt dankbare Abnehmer jeglicher Trends und Hypes sind. Sobald es was neues Aufsehen erregendes gibt, wollen alle mitmachen und der Markt liefert das für nötig gehaltene Material.

Nun, die Japaner - und hier vornehmlich die Jugendlichen - scheinen sehr anfällig für Trends jeder Art zu sein, die Frage ist nur, ob sie sich da überhaupt von Jugendlichen anderer Länder so sehr unterscheiden. Wahrscheinlich ist der einzige Unterschied das wie, nicht das was...

Quellen:

http://www.morbidoutlook.com/fashion/articles/2002_07_gothiclolita.html

http://geocities.com/goth501/Lothought/thought.htm

Bilder werden nachgereicht, wenn ich es endlich mal schaffe, den normalen Weg zu umgehen...

Sonntag, Juli 09, 2006

Jugend in Japan

In den Augen eines europäischen Teenagers muss die Vorstellung des Lebens eines japanischen Jugendlichen Horrorvisionen auslösen. Denn das Leben japanischer Kinder und Jugendlicher ist ausnahmslos von Schule und Leistungsdruck dominiert.

Sie leben für die Schule und den Sport und selbst die Freizeit wird davon durchzogen, denn alle Freizeitbeschäftigungen werden von Schulen organisiert. Die Gruppen, zu denen die Jugendlichen sich zugehörig finden, bilden sich in der Schule.
Doch wie auch die Zugehörigkeit zur Familie sehr streng gehandhabt wird, so ist auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe mehr als verpflichtend. Man kann nicht einfach mal bei der einen und mal bei der anderen vorbei schauen – wer zur Gruppe gehört, ist strikt eingebunden und hat nicht „fremdzugehen“.




So streng und konservativ das alles klingt, was Sexualität (vor allem vor der Ehe) und dergleichen betrifft, sind japanische Eltern sehr liberal. Doch auch hier gibt es einen Haken: es wird nicht darüber gesprochen. Das heißt, die Jugendlichen haben keinen Ansprechpartner, wenn es Probleme gibt. Die eigenen Freunde sind genau so unerfahren und weder Eltern noch Lehrer reden mit den Kindern über Tabuthemen.
So ist man auf die eigene Vorstellung und Phantasie angewiesen, hat aber keinen Referenten in der Realität, es bleibt Vorstellung und kann sich kaum als richtig oder falsch beweisen.

Nach der Schule jedoch fällt all dies komplett weg. Kein Druck mehr, weder von den Eltern, noch von der Schule noch sonst wo her. Die jungen Japaner fallen in ein riesiges Loch und nur wenige landen auf beiden Beinen.
Manche drehen in dieser Zeit total durch, nutzen die neu gewonnene Freiheit mehr als ihnen gut tut. Andere jedoch ziehen sich in sich selbst zurück und finden den Weg nach draußen nicht mehr.

>> "Es wäre doch netter, wenn wir uns sehen könnten. Willst Du nicht raus kommen und mit mir reden?" Mit stoischer Geduld sitzt Takayoshi Noda vor der verschlossenen Zimmertür. Von drinnen: nichts als Schweigen. Noda ist Sozialarbeiter und seine Schützlinge sind die Hikikomori - Japans verschwundene Jugend. << (http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,2124162,00.html) „Hikikomori“ heißt ein Phänomen, das schon bei jüngsten Schülern und eben frisch gebackenen Absolventen beobachtet wird. Aufgrund des Leistungsdruckes verziehen die Hikikomori sich in ihre Zimmer, schließen sich dort ein und kommen oftmals monate- oder gar jahrelang nicht heraus. Der Weg dahin ist einfacher als man denkt: es ganz banal mit Prüfungsangst beginnen, allgemein Angst zu versagen, Angst Opfer von „Ijime“ (Mobbing in Japan) zu werden und so weiter. Die Ursachen sind zahlreich. Diese Menschen suchen eine Sicherheit, die sie innerhalb der eigenen vier Wände glauben finden zu können und die ihnen leider kein anderer Mensch geben kann. Für Sozialarbeiter und Pädagogen ist Hikikomori noch Neuland. Doch Erfolge sind schon zu verzeichnen, wenn auch Gegenmaßnahmen nur zögerlich unternommen werden, meist stehen Eltern und Verwandte ratlos gegenüber einem unbegreifbaren Phänomen. Allerdings ist es nicht damit getan, diese armen Menschen bloß aus ihrer Isolation heraus zu holen. Der lange Ausschluss von der Gesellschaft geht an niemandem spurlos vorüber. Die meisten sind depressiv oder aggressiv, manche gar beides. Jedenfalls bedürfen die Hikikomori psychischer und sozialer Unterstützung und sind allein kaum lebensfähig. Therapieansätze sind vor allem Gespräche und regelmäßige Abendessen in Restaurants. Die „Patienten“ müssen sich erst wieder an Menschen und Gesellschaft gewöhnen, was offensichtlich gar nicht so einfach ist. Abgesehen davon, dass die Hikikomori sich selbst von der Gesellschaft abgrenzen, wird ihr Krankheitsbild in der Gesellschaft nicht akzeptiert und als Tabuthema gehandelt: „Einen Hikikomori in der Familie zu haben ist in Japan mit einem starken Stigma behaftet, und die Angst vor einer öffentlichen Demütigung kann übersteigerte Ausmaße annehmen. Die meisten Eltern warten einfach ab, ob sich ihr Kind wieder von alleine der Gesellschaft annähert. Falls sie überhaupt aus eigenem Antrieb Schritte einleiten, können zuvor lange Zeitspannen vergehen. Auch die traditionell enge Mutter-Kind-Beziehung trägt zu einer Verschleppung der Behandlung bei.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Hikikomori)

Ganz widersprüchlich dazu folgendes Zitat:

„Allerdings ist in Japan die Familie immer noch ein Ort, an dem man sich gehen lassen, vom anstrengenden öffentlichen Alltag erholen kann. Die Familie schenkt jedem einzelnen Mitglied Halt und Sicherheit.“ (http://home.arcor.de/HinagikusPage/japan5.html)

Doch Japan wird nicht umsonst das Land der Widersprüche und Extreme genannt.
Denn ist es nicht auch widersprüchlich, dass auf den Kindern extremer schulischer Leistungsdruck lastet, sie aber sobald die Schule beendet ist, im Prinzip machen können, was sie wollen?
Und ist es nicht genau so widersprüchlich, dass japanische Frauen reifen Alters total auf Puppenmode und Kleinkindaussehen abfahren und sich auch entsprechend verhalten? Je niedlicher, desto besser…


Quellen:

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/2/0,1872,2124162,00.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Hikikomori

Informationen zur politischen Bildung, 2. Quartal 1997 Heft 255
Herausgeber: Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de)

Bilder:

http://www.japan-photo.de/D-SCHUE01.jpg

http://www.japan-photo.de/D-TEEN24.jpg

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http://www.japan-photo.de/D-SCHUE25.jpg

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