Freitag, April 28, 2006

Mein Japan?

Das erste Bild, das angesichts dieses Wortes vor meinem inneren Auge erscheint, zeigt eine Vielzahl überdimensional großer Schwärme japanischer Touristen, die in den Sommermonaten jeden Jahres meine Heimatstadt überfluten.
Von den Firmen, bei denen jene Menschen angestellt sind, werden diese Gruppenreisen in aller Ausführlichkeit geplant und durchgeführt. Heute hier – morgen dort. Und in jeder neuen Stadt so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich mitnehmen.

Augenscheinlich gehören für Japaner auch einfache deutsche Schüler zu Sehenswürdigkeiten. Zumindest kann ich es mir nicht anders erklären, warum wir in unseren Mittagspausen oftmals mit und für knipswütige Japaner posieren durften.


„picture please, picture please“

Der typische, sich in Baden-Baden aufhaltende Japaner trägt eine unmögliche Kombination von karierter Hose und gestreiftem Polohemd. Hinzu kommen grobe Sandalen, in welchen selbstverständlich Socken getragen werden. Gekrönt wird dieses Bild durch einen Safarihut über einem sonnenbebrillten Gesicht, sowie durch ein Monstergerät von einer Kamera.
An ihrem Revers tragen sie einen unübersehbaren Button mit Namen und Firmenschriftzug.

Soll das nun der Eindruck von Japan sein, den ich für den Rest meines Lebens behalten werde?
Denn abgesehen von Touristen kommt man in unserer westlichen Welt nicht in Kontakt mit Japan – zumindest nicht ohne eigenes Bemühen.
Selbst Mangas, Grüntee, Karate und Sushi können uns (meines Erachtens) nicht einmal eine Idee des traditionellen, historischen Japans vermitteln. Derlei Dinge sind aus ihrem kulturellen Kontext gerissen und schön verträglich an den unseren angepasst.

Ich aber möchte ein anderes – mein eigenes – Japan finden. Es wird sicherlich nicht das Japan der Japaner sein, oder das Japan irgendeines anderen Menschen.
Aber ich möchte eben auch nicht, dass es das oben beschriebene bleiben muss.
Selbst wenn ich es nicht finden sollte, oder ich mit dem Ergebnis meiner Suche nicht zufrieden sein sollte – selbst dann hatte ich Erfolg.
Suchen muss ja nicht immer bedeuten etwas zu finden. Oder gar etwas zu finden, dass einem das Herz vor Freude aufgehen lässt.

Eine Suche kann doch auch einfach nur Mittel zum Ausschluss einer Möglichkeit von abertausenden sein.
Genau so möchte ich auf die Suche nach meinem Japan gehen. Ich ziehe jedes mögliche Ergebnis in Betracht...